KARTON
Architektur im Alltag der Zentralschweiz
Nummer 32 * Januar 15

«Ein Haus in sieben Texten»

KARTON 31 | 2015

INHALT

Sieben Autorinnen und Autoren von KARTON schreiben zum 2012 fertiggestellten Wohnhaus ZugSchleife von Valerio Olgiati mitten in Zug – und lassen so verschiedene Betrachtungs- und Beurteilungsweisen zu einem und demselben Objekt erkennen:

Ungewöhnliche Präsenz

von Christian Schnieper

Wo bleibt die Stadt?

von Peter Omachen

Skulpturale Architektur

von Cla Büchi

Innenhof im Aussenraum

von Meret Speiser

Das Bauwerk als Antithese

von Dieter Geissbühler

Störrische Eigenständigkeit

von Andreas Gervasi

Der gute Bau

von Gerold Kunz

Neues aus der HSLU T&A

Wie wird architektonische Qualität in der Lehre beurteilt?
Dieter Geissbühler beschreibt, wie Architekturlehren komplexer geworden ist, als Studierenden «den Meister zu zeigen».

Neues von der Denkmalpflege in der Zentralschweiz

Luzerns Baukultur jenseits der klassischen Touristenmagnete
Theresia Gürtler Berger, Ressortleiterin Denkmalpflege und Kulturgüterschutz der Stadt Luzern, zum Umgang mit Bauten der 1950er- und 60er-Jahre.


EDITORIAL

Aus der Sicht von ...

von Peter Bischof
Ich frage mich immer wieder: Was ist eigentlich gute Architektur? Ich stehe vor dem Gebäude, in dem ich arbeite, und denke: Doch, das ist ein schönes Gebäude. Beim genaueren Hinsehen tauchen dann Fragen auf: dunkler Klinker-Backstein; warum eigentlich dunkel? Gleichmässig angeordnete Fenster; sind die Fensterrahmen nicht zu massiv? Ein weiträumiges helles farbiges Treppenhaus; wird hier nicht viel Volumen unnötig verschwendet? Haben die Farben wohl eine bestimmte Bedeutung? Und: Der Lift ist viel zu langsam! Im Innern fühle ich mich wohl, die Raumakustik ist gut, die Aussicht über die Bahngeleise ist weit und der Blick auf Sonnenberg und Pilatus ist perfekt. Es gibt andere Gebäude, die ich scheusslich finde, an denen ich jeden Tag vorbeikomme oder vorbeigehen muss – jedes Gebäude prägt den öffentlichen Raum.

Ob schön oder scheusslich – als Laie kann ich oft nicht sagen und begründen, warum ich ein Gebäude gut oder schlecht finde und ob es dem öffentlichen Raum nutzt oder schadet. Deshalb bin ich gespannt, wie die Fachleute mit dem Thema Beurteilung von Architektur umgehen. In diesem Heft werden die ständigen Autorinnen und Autoren von KARTON ein Gebäude aus ihrer Sicht beleuchten und begutachten, und zwar das 2012 fertiggestellte Wohngebäude von Valerio Olgiati mitten in Zug. Es ist ein auffallendes und eigenwilliges Gebäude; es wurde in verschiedenen Medien und Fachzeitschriften kontrovers besprochen. Ob wohl ein junger Zuger Architekt und Politiker, ein Luzerner Architekt mit Künstlerausbildung, ein Luzerner Architekt und Architekturbüroinhaber, ein Professor der Hochschule Luzern – Technik & Architektur, ein Denkmalpfleger und eine Uni-Studentin gemeinsame, objektivierbare und auch für Nicht-Fachleute nachvollziehbare Kriterien finden, um ein Gebäude zu beschreiben und zu beurteilen?

Dieses Heft fällt wieder etwas bescheidener aus als die 10-Jahre-Jubiläums-Ausgabe vom September (Bescheidenheit ist ja auch Programm von KARTON). Die Jubiläumsausgabe war nur dank eines Beitrags vom Preisgeld der «Stiftung Luzern – Lebensraum für die Zukunft» möglich.

Neu zum Kern der Autorengruppe dürfen wir Meret Speiser, Andreas Gervasi und Erich Vogler zählen. Sie wirken alle auch in der Redaktion mit. Wir freuen uns auf ihre Beiträge.

Ich danke allen Autorinnen und Autoren, die sich nun seit mehr als zehn Jahren für die Architekturzeitschrift KARTON engagieren. Sie vermitteln einem Laienpublikum das aktuelle Baugeschehen sowie die heutige Planungsdiskussion der Zentralschweiz und wecken dadurch das Interesse für Architektur und Siedlungsraum.