KARTON
Architektur im Alltag der Zentralschweiz
Nummer 26 * JANUAR 13

«Roter Nagel in Nidwalden und Uri»

KARTON 26 | 2012

INHALT

Zeigen, was machbar ist

Interview Søren Linhart
Die Architekten Lukas Baumann, Hanspeter Odermatt, Armin Wigger und Carlo Gaetano Zampieri erzählen, warum das Bauforum Uri und der Heimatschutz Nidwalden 2011/12 gemeinsam «Rote Nägel» gesetzt haben.

Neues von der Denkmalpflege in der Zentralschweiz

Ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung. Cony Grünenfelder, Denkmalpflegerin LU, zur Zentral- und Hochschulbibliothek in Luzern.

Schindler Award 2012 – Ein Stadtquartier für alle

von Ursula Mehr
«Access for All» als Ziel des Städtebau-Wettbewerbs der Lift- und Rolltreppenfirma Schindler; ausgeschrieben unter Architekturstudierenden und Architekturschulen in Europa.

Neues aus der HSLU T&A

Missing Link – Nachnutzung Zentralbahntrassee Luzern
Angelika Juppien zu einem studentischen Entwurfsexperiment im Stadtraum Luzern (Teil 2).


EDITORIAL

Markierungen

von Stefano Ghisleni und Benno Weber
Das Architektur Forum Obersee hat den «ROTEN NAGEL» vor 14 Jahren ins Leben gerufen. Was am Zürichsee begonnen hatte, wurde nach mehreren Stationen, darunter Obwalden und Zug, vom Architekturforum Uri und vom Innerschweizer Heimatschutz, Sektion Nidwalden, fortgesetzt. Die beiden Organisationen haben gemeinsam das Projekt weiterentwickelt und eine Brücke zwischen Uri und Nidwalden geschlagen. Davon berichten wir in KARTON 26. Das Ziel der Initianten war es, mit dem «ROTEN NAGEL» durch eine sichtbare Markierung jene Orte ins Bewusstsein zu rücken, die als besonders bedeutsam für unseren Lebensraum be­wertet werden dürfen. Ein Sichtbarmachen durch Setzen von Markierungen in unserer gebauten Umwelt.
Wir haben Stefano Ghisleni, ehem. Vorstand des Architektur Forums Obersee und Benno Weber, ehem. Präsident des Architektur Forums Obersee für einen Rückblick angefragt: «Hausbesichtigungen, Führungen, Vorträge und Apéros umrahmten von Beginn an die als öffentliche Anlässe arrangierten zwölf Markierungen. Ergänzt mit Berichten in der Tagespresse, ermöglichten die Anlässe spontane Begegnungen und Gespräche. Die soziale und kollegiale Komponente hatte dabei einen hohen Stellenwert. Die Kommunikation zwischen Architekten, Kunstschaffenden, Bauherren und der Öffentlichkeit sollte gefördert werden.
Doch was ist Baukultur? Baukultur beschreibt die Summe menschlicher Leistungen, natürliche oder gebaute Umwelt zu verändern. Anders als die Baukunst beinhaltet die Baukultur sämtliche Elemente der gebauten Umwelt: Baukultur geht über die architektonische Gestaltung von Gebäuden weit hinaus und umfasst beispielsweise auch den Städtebau und die Ortsplanung, die Gestaltung von Verkehrsbauwerken durch Ingenieure sowie insbesondere natürlich auch die Kunst am Bau und die Kunst im öffentlichen Raum. Als erweiterter Kulturbegriff stützt sich die Identität der Baukultur auf die Geschichte und Tradition eines Landes oder einer Region.
Das Thema betrifft nicht nur professionelle Planer, sondern alle Menschen, da alle mit gebauter Umwelt konfrontiert sind. Auch die Verantwortung für die Qualität der gebauten Umwelt liegt nicht allein bei den Fachleuten, sondern bei der gesamten Gesellschaft. Die Baukultur darf nicht nur in monetärer oder wirtschaftlicher Hinsicht verstanden werden. Wir waren und sind überzeugt, dass Langfristigkeit und Nachhaltigkeit ebenso feste Bestandteile der Baukultur sind, die jedoch ihren Preis haben können, sicher aber in dankbaren nächsten Generationen ihre Berechtigung erfahren werden. Mit dem ‹ROTEN NAGEL› wird Verantwortlichkeit in ebendiesem Sinne erkennbar und sichtbar gemacht.»