KARTON
Architektur im Alltag der Zentralschweiz
Nummer 21 * Mai 11

«Badeanstalten im Wandel der Zeit»

KARTON 21 | 2011

INHALT

Nichts Unsittliches

von Heinz Horat
Vom ersten offenen Strandbad der Schweiz, wo Frauen und Männer gemeinsam badeten.

Verweilen

von Otti Gmür
Die verschiedenen Stationen der Badeanstalt am Nationalquai.

Baden 500 Meter über dem Vierwaldstättersee

von Dieter Geissbühler
Zur faszinierenden Geschichte der Touristikanlagen auf dem Bürgenstock.

Gebaute Landschaft

von Gerold Kunz
Das neue Lido am Sarnersee wird diesen Sommer zum aussergewöhnlichen Schauplatz.

Ein veredelter Geräteschuppen als Zaun

von Dieter Geissbühler
Zum neuen Strandbad Seeburg in Küssnacht.

Neues aus der HSLU T&A

Experimentelles Entwerfen mit textil bewehrtem Beton.


EDITORIAL

Badis – im Wandel der Zeit

von Dieter Geissbühler
In den letzten Jahren sind in der Zentralschweiz einige neue Badeanstalten von hoher architektonischer Qualität entstanden. Im vorliegenden Heft werden diesen neuen Eingriffen zwei ältere Zeitzeugen gegenübergestellt, die mindestens ansatzweise aufzeigen, wie drastisch sich die gesellschaftlichen Vorstellungen geändert haben, auch wenn architektonisch die Inszenierung des Bezuges zur Landschaft – auch der gebauten – zentral geblieben ist.
Es ist erfreulich, dass in der Zentralschweiz immer wieder markante Beiträge zum Thema der Badeanstalten gebaut werden können. Dies mag die Wertschätzung für unsere Seen- und Berglandschaft verdeutlichen, aber auch den Stellenwert den diese öffentlichen Einrichtungen in unserem Leben haben. Die Sorgfalt im Umgang mit einem Stück gestalteter Umwelt kennzeichnet diese Bauwerke, sie verwandeln ein Stück freie Landschaft oder gar, wie im Fall des Seebades am Nationalquai, ein Stück See in eine künstliche Welt, die allerdings erst in der Wechselwirkung zur umgebenden Landschaft ihre volle Kraft entfaltet. Leider sind es aber oft die einzigen Bauwerke, denen ein qualitätsvoller Bezug zum Wasser und zur Landschaft zugesprochen werden kann. In diesem Sinne beinhalten vor allem die neueren Badeanstalten, als Abbilder kleiner «Paradiese» durchaus auch eine Kritik am Raubbau an unserer Landschaft. Sie stehen sozusagen als Kontrapunkt zur ausufernden Zersiedlung, welche sowohl am Vierwaldstättersee wie auch am Sarnersee langsam dramatische Züge annimmt. Immerhin könnte man sie auch als Hoffnungsschimmer deuten, insofern es mit guter Architektur möglich sein sollte, die grosse Qualität unserer Landschaft zu festigen.