KARTON
Architektur im Alltag der Zentralschweiz
Nummer 16 * September 2009

«Exklusiv leben»

KARTON 16 | 2009

INHALT

Herrschaftliche Erscheinung

von Cla Büchi
Das Schloss Casteln in Alberswil präsentiert sich heute in sanierungsbedürftigem Zustand.

Stattliches Wohnen erlaubt

von Gerold Kunz
Wohnen im Park, neben Gewerbe- und Lagerräumen, auf Langrüti in Hünenberg.

on the rooftop

von Sepp Rothenfluh
Das Prinzip Reihenhaus auf dem Dach des Luzerner City Parking.

Sonderliche Zonen

von Dieter Geissbühler
Mit Weiler- oder Sonderbauzonen das gutbetuchte Siedeln fördern?

Neues aus der HSLU T&A

Bachelor Diplomarbeit 2009.


EDITORIAL

Villenzonen

von Ursula Mehr
Villenzonen oder Wohnräume für gute Steuerzahler sind ein Thema, das seit einiger Zeit Planerinnen und Planer, wie auch Medien und Behörden massgeblich beschäftigt. Wo ist der geeignete Platz für diese Zone? Gibt es auf diese Frage überhaupt eine allgemeingültige Antwort?
Zu den eindruckvollsten Villen gehören wohl diejenigen von Frank Lloyd Wright. Viele davon befinden sich in Chicago, der Partnerstadt von Luzern. Sie lagen einst im äusseren Agglomerationsgürtel, am Rand der Stadt, wo diese in die Landschaft überging. Namen wie Far South Area, Far North Area oder Suburban Areas zeugen davon. Inzwischen liegen sie mitten im urbanen Gebiet. Chicago gilt als Standardmodell der Stadtentwicklung. Das ökonomische Zentrum mit Hochhäusern wird vom Arbeiterbezirk umschlossen. In weiteren konzentrischen Kreisen befinden sich die gehobeneren Wohnzonen; dabei gilt: Je wohlhabender und sozial höhergestellt, desto weiter entfernt vom Zentrum leben die Bewohner.
Eine mit Chicago vergleichbare Stadt in Europa ist Paris, das ebenfalls konzentrisch aufgebaut ist. Aber im Gegensatz zu Chicago liegt das bevorzugte Wohnquartier heute im Zentrum, innerhalb des letzten Stadtmauerrings, und die arme und sozial benachteiligte Bevölkerungsschicht lebt am Rand in den Banlieues. Auch der Vergleich mit weiteren Grossstädten zeigt kein eindeutiges Muster, wo sich gehobenes Wohnen sammelt. Sind vielleicht Umgebung oder Landschaft massgebliche Kriterien? Dann ist jedoch das Beispiel Beverly Hills als bevorzugter Wohnort nicht nachvollziehbar, da dieser Ort aus Zentralschweizer Sicht nicht als attraktiv gelten kann. Es muss also noch andere Massstäbe geben. Liegt es am guten Namen, am Brand? Suchen gute Steuerzahler Trendorte? Ist es dann sinnvoll, wenn irgendwo in Oberwil eine Villenzone für sie ausgewiesen wird? Auch wenn die Landschaft noch so reizvoll ist, gewichten wohlhabende Menschen nicht eine Anbindung an urbane Infrastrukturen viel höher?