KARTON
Architektur im Alltag der Zentralschweiz
Nummer 15 * Mai 09

«transit09»

KARTON 15 | 2009

INHALT

Eine Oase inmitten der Agglomeration

von Reto Gadola
Das neue Kirchenzentrum Franziskus in Uetikon am See.

Erinnerungen beleben

von Gerold Kunz
In Zugs Friedhof St. Michael wurden Bauten und Gräber erneuert.

Zwecklos bauen

von Fabrizio Brentini
Zum Unterschied zwischen Sakral- und Profanarchitektur.

Klug eingerichtet

von Otti Gmür
Das ehemalige Pallottinerkloster und Gymnasium St. Klemens erweiterte seine Nutzung.

übergeordnete Idee

von Ursula Mehr
Ein Interview zur Restauration des Innenraums der Klosterkirche Engelberg.

Neues aus der HSLU T&A

Wettbewerbsarbeit zu einer Hangüberbauung in Wilen, Sarnen OW.


EDITORIAL

diesseits und jenseits

von Ursula Mehr
Diese Ausgabe von Karton erscheint im Rahmen des Albert Koechlin Stiftungs-Projektes transit09. Der Begriff Transit wird heute meist in der ökonomie oder der Politik, zusammengesetzt wie Transitverkehr oder Transithandel, verwendet und meint den Durchgang oder die Durchfuhr von Waren.
Transit bedeutet aber auch übergang. Etymologisch lässt sich laut Duden das Wort auf transire «hinübergehen» zurückführen, eine Bildung aus dem lateinischen trans «hinüber, hindurch» und dem lateinischen ire «gehen».
übergänge finden sich sowohl im räumlichen - in der Architektur und im Städtebau - als auch im zeitlichen und geistigen Leben jedes Menschen. Ein Haus braucht einen Weg um erreichbar zu sein. Wie ist der übergang von aussen nach innen gestaltet und die Verbindungen der Zimmer untereinander?
Auch im Leben der Menschen finden sich immer wieder übergänge. Um sie zu bewältigen sind über Generationen Riten entstanden, die sich in Religionen manifestiert haben. Jahrhunderte lang war der Bau von Kirchen eine der wichtigsten und grössten Aufgaben der Baumeister und später der Architekten. Heute ist es ruhiger geworden um den Kirchenbau. Die jüngsten Zeugen von Kirchenneubauten in der Zentralschweiz gehen in die 60er, vereinzelt in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Als Folge des Zweiten Vatikanum entstand für die katholischen Kirchen eine neue Grundrisstypologie. Sehr schöne Beispiele davon sind die Kollegiumskirche St. Martin in Sarnen, das Kirchenzentrum St. Michael in Luzern oder die Pfarrkirche St. Agatha in Buchrain. Heute besteht hauptsächlich das Bedürfnis, die vorhandenen, häufig denkmalgeschützten Gebäude zu erhalten und den neuen Anforderungen anzupassen. Lediglich in neuen, grösseren Siedlungsgebieten entstehen noch Neubauten in Form von Pfarrei- oder Kirchenzentren, welche sowohl Kult- als auch Verwaltungsräume beinhalten.
An das Thema erinnert auch der tragische Unfalltod der Künstlerin Bessie Nager, besonders auch, weil eine ihrer letzten Installationen im Kunstmuseum Solothurn mit Transit, 2009 bezeichnet war. art-tv.ch