KARTON
Architektur im Alltag der Zentralschweiz
Nummer 14 * Januar 09

«IDEEN FÜR DIE LAND(WIRT)SCHAFT»

KARTON 14 | 2009

INHALT

Der zweite Turm

von Cla Büchi
Der Ersatzbau für ein Bauernhaus in Alberswil in Nachbarschaft zur Burgruine Chastelen.

Mit doppelter Fassade

von Peter Humm
Ein Haus im Haus beim Ersatzneubau aus Holz in Pfaffnau.

Ein Privileg

von Ursula Mehr
Der erste Zentralschweizer Holzpreis für ein vorbildliches neues Bauernhaus in Ebikon.

Bauen auf Bauernland

von Thomas Bolli
Der neue Leitfaden des Innerschweizer Heimatschutzes zum Bauen ausserhalb der Bauzone.

Neues aus der HSLU T&A

Diplomarbeit berufsbegleitendes Studium 2008


EDITORIAL

Unsere wichtigste Ressource

von Gerold Kunz
Unser Land ist unterteilt in Bauzonen und Nichtbauzonen. Was zum Schutz der Landschaft gedacht war, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als das Gegenteil: Während in den Bauzonen die Gebäude nach genauen Vorgaben erstellt werden, gelten in den Nichtbauzonen für die Neubauten nur wenige Kriterien. Oft werden die Vorhaben unter dem Gesichtspunkt der «Wesensgleichheit» geprüft, was heisst, dass der Neubau in etwa dem bisherigen Bau zu entsprechen hat. Die Resultate dieser Praxis lassen sich landauf landab sehen. Der Wandel des Landschaftsbilds wird heute vorab durch die zahlreichen Neubauten geprägt. Nicht nur die neuen Volumen, sondern auch die vielen neuen Materialien tragen dazu wesentlich bei. Kam ursprünglich ausschliesslich unbehandeltes Holz in seinen zahlreichen Variationen zum Einsatz, sind es heute eine Vielzahl neuer Produkte. Die Neubauten genügen vielleicht individuellen Ansprüchen, jenen der öffentlichkeit werden sie aber kaum gerecht. Es scheint, als ginge vergessen, dass die Landschaft unsere wichtigste Ressource ist. Der Umgang mit dem Gelände und das Einpassen des Baus in die Topografie zählen zu den grössten Herausforderungen beim Bauen. Die Realität zeigt, dass diese nicht gemeistert werden. Hilfsmittel wie Böschungen, Löffelsteine oder Zyklopenmauerwerke, die dem Landschaftsbild schaden, kommen zum Einsatz. Sie sind das Abbild des Scheiterns einer Gesellschaft, die verlernt hat, die Erde zu bebauen. Das Bauen in der Landschaft sollte deshalb nur den besten Kräften vorbehalten sein.