KARTON
Architektur im Alltag der Zentralschweiz
Nummer 10 * September 07

«LUZERN - ZUG»

KARTON 10 | 2007

INHALT

Wirtschaftlichkeit regiert

von Dieter Geissbühler
Ein Gespräch mit Albi Nussbaumer, Architekt aus Zug

Schweizer Subzentrum

von Dieter Geissbühler
Ein Gespräch mit Thomas Lussi, Architekt aus Luzern

Frischwind ins Gleichgewicht

von Dieter Geissbühler
Ein Gespräch mit Jean-Pierre Deville, Stadtarchitekt von Luzern

Urbane Qualitätssicherung

von Dieter Geissbühler
Ein Gespräch mit Tomaso Zanoni, Stadtarchitekt von Zug

Breit investiert

von Cla Büchi
Stadionprojekt in Luzern von Daniele Marques und Ivan Bühler

Hoch hinaus

von Gerti Kaspar
Stadionprojekt in Zug von Scheitlin-Syfrig + Partner

Nicht Uferlos

von Sepp Rothenfluh
Seeufergestaltung in Zug und Luzern

Beitrag HTA

Material in der Architektur


EDITORIAL

Die Zentralschweiz am Zürichsee

Unterschiedliche Nachbarn

von Dieter Geissbühler
Luzern und Zug sind die beiden Zentren der Zentralschweiz und darauf fokussiert sich hier auch die architektonische Diskussion. Luzern kämpft sich an ein neues städtebauliches Leitbild heran, das, gepaart mit der aktuellen Fusionsdebatte, wohl etwas verspätet, Visionäres aufdecken soll. Die Realität läuft diesen Visionen aber einen Schritt voraus. Zug hingegen hat nicht nur mit dem gross angelegten Leitbild «Lorzestadt» strategische Vorleistungen erbracht, sondern auch die Hochhausdiskussion war mindestens im Ansatz öffentlich geführt worden. Aber auch hier zeigen sich Schwierigkeiten, insbesondere in der Umsetzung. Die Ausgangslage mag zwar stadträumlich plausibel erscheinen, es fehlt aber an einer eigentlichen Vorstellung der eigenständigen Identität. Dies im Gegensatz zu Luzern, wo mindestens im Unterbewusstsein eine solche Identität vorhanden ist. Bei der Umsetzung vieler Projekte in Zug kommt der Kommerz hinzu, der - oft als falsch verstandener Modetrend einer maximalen kurzfristigen Wirtschaftlichkeit - Besseres, um nicht zu sagen Gutes verhindert. Ein Vergleich beider Stadionprojekte im grossen Massstab und der Seeufergestaltung ermöglicht einen bescheidenen, aber doch aufschlussreichen Einblick in den Umgang mit ähnlichen Aufgabenstellungen, der viel über die unterschiedlichen Mentalitäten aussagt. Mentalitäten, die trotz sehr geringer Distanz deutlich anders sind. Dies mag vielleicht daran liegen, dass Zug mit einem Bein in einer anderen Region steht, vielleicht sind es aber auch Abgrenzungsmechanismen, die hier solche Unterschiede schaffen. Es bleibt das Unbehagen, dass Vereinsfunktionäre über die städtebauliche Zukunft massgebende Vorgaben machen, die eine seriöse fachliche und politische Auseinandersetzung erschweren, um nicht zu sagen verunmöglichen. Planung braucht Zeit, und wenn eine Verwaltung solch eingreifende Veränderungen nicht genügend früh antizipieren kann, - was bei den verfügbaren personellen Ressourcen äusserst schwierig sein dürfte -, dann führt der Zeitdruck zu Sachzwängen, die wenig strategisch aufgearbeitet werden können. Planung wird zur Umsetzung des Machbaren und verliert den Anspruch auf Nachhaltigkeit.