KARTON
Architektur im Alltag der Zentralschweiz
Nummer 05 * Januar 06

«GROSSE PROJEKTE»

KARTON 05 | 2006

INHALT

Tribschenstadt nimmt Gestalt an

von Gerti Kaspar
Verdichteter Wohnraum im Luzern von WIT Architekten GmbH und Andrea Roost

Ruopigen komplett

von Cla Büchi
Geplantes Zentrumsquartier von Dolf Schnebeli, TGS Architekten, Scheitlin Syfrig & Partner, Lampugnani und Kretz

Mainstream is almost allright

von Gerold Kunz
Die sechste Bauetappe im Hertiquartier von Gesamtplaner ASTOC Architects & Planners

Aparte Häuser für Zug

von Ursula Mehr
Wohnüberbauung Waldheimstrasse in Zug von Philipp Brühwiler

Parva sed apta mihi

von Pino Pilotto
Wohnüberbauung Leopold und Erweiterung Surseepark von Theo Hotz

Vom Grossen und vom Ganzen

von Sepp Rothenfluh
Neubau Schulanlage in Buttikon von Graber & Steiger

Das Grösste... verborgen

von Tino Küng
Aufgeschüttete Inseln im Urnersee bei Flüelen von Peter Regli

Beitrag HTA

Semester- und Diplomarbeiten 04/05


EDITORIAL

Grosse Projekte

von Dieter Geissbühler
Avenir Suisse hat die Zentralschweiz fast aus seiner Metropolenlandschaft Schweiz gestrichen, ein bisschen Vorort von Zürich scheint man uns noch zuzugestehen. Und für das ETH Studio Basel werden wir zur «alpinen Brache», wenn wir auch als «geografisches und mythologisches Zentrum rund um den Gotthard» bezeichnet werden (siehe Weltwoche Nr. 44 und Tagesanzeiger Magazin Nr. 44). Natürlich sind dies Verkürzungen von Aussagen. Trotzdem, uns fehlt es scheinbar an Grösse, um in der Schweiz noch wahrgenommen zu werden. Als Randzone scheinen wir zunehmend als Randproblem unterzugehen. Interessanter wäre aber die Frage, ob Probleme des Randes nicht auch Probleme des inneren Feldes sein könnten. In unserer kleinen Welt Zentralschweiz haben wir uns auf die Suche nach grossen Projekten gemacht und mussten feststellen, dass die physische Grösse dieser Projekte eher bescheiden ist. Damit stellt sich die Frage, ob Grösse ein quantitatives Merkmal sein muss, oder ob nicht vielmehr nach der Wirkung von Projekten Ausschau gehalten werden sollte, die nicht einer kontinuierlichen Adaption der bestehenden Struktur folgen, sondern neue Impulse setzen, die eine neue Lesart der Geschichte eines Ortes mit sich bringen. Im kleinmassstäblichen Umfeld kann ein kleiner Eingriff strukturelle Veränderungen hervorrufen, die andernorts mit viel grösseren Projekten nicht erzielt werden können. Grosse Projekte sind also Projekte, die mit ihrer Wirkung urbanen Strukturen neue Ordnungsprinzipien aufzwingen können. Ihnen obliegt eine noch grössere soziale und kulturelle Verantwortung. Die hier vorgestellten Projekte sollen damit aufzeigen, ob und wie dieser Verantwortung in unserer Region Rechnung getragen wird. In diesem Sinne gilt es, sie kritisch zu würdigen und dabei vielleicht eine Antwort darauf zu finden, welche massgebenden architektonischen Beiträge unsere Region liefern kann. So könnten von dieser Region durchaus Impulse zur Fragestellung des Verhältnisses von Siedlung und Landschaft ausgehen, die innerhalb von Metropolregionen oft eher romantisierend beantwortet werden.