KARTON
Architektur im Alltag der Zentralschweiz
Nummer 03 * Mai 05

«FREIZEITARCHITEKTUR»

KARTON 03 | 2005

INHALT

Das andere Ferienhaus

von Ursula Mehr
Ferienhaus auf Rigi Burggeist von Fuhrimann und Hächler

Luft, eingefangen

von Gerold Kunz
Anbau an Villa in Kastanienbaum von Gigon und Guyer

Sportcenter Gotthard

von Cla Büchi
Wettbewerbsprojekt in Andermatt von weberbrunner Architekten

Vierwaldstättersee-Westküsten-Haus

von Sepp Rothenfluh
Wochenendhaus in Merlischachen von roeoesli maeder

Macht kiffen gleichgültig?

von Gerti Kaspar
Jugendbeiz in Zug von Eva Keller & Peter Hubacher

Weisses Spiel mit aufgeklärter Polychromie

von Pino Pilotto
Hotel Engel in Stans von Eugen Mugglin


EDITORIAL

Freizeitbauten

von Dieter Geissbühler
«Erlebbare Vision - Mit seinem visionären Konzept und entsprechenden gestalterischen Impulsen wird EbiSquare zu einem Markenzeichen neuster Freizeit- und Shoppingtrends mit regionaler und überregionaler Ausstrahlung.» (Werbetext) EbiSquare kann überall sein, es ist die Vorstufe zur vollständigen Virtualisierung der Freizeit, in diesem Sinne ein eigentlich bereits überholtes Modell, aber eben eine Gegenwelt oder vielleicht eine Zusatzwelt zu unserer Freizeitlandschaft Zentralschweiz. Auch sie inszeniert und nur noch bedingt authentisch. In der Architektur steht der Echtheitsbezug stark unter Druck. Inszenierungen allenthalben und überall. Ob Jean Nouvel mit dem KKL die Luzerner Altstadt zur Disney-Kulisse hat werden lassen, wie dies Stanislaus von Moos einst behauptet hat, oder ob dieser Bau doch dazu beigetragen hat, Luzern eine neue Authentizität zu verleihen, bleibt nebensächlich. Zentral ist die Frage, ob der Umgang mit Freizeit die Landschaft Zentralschweiz zur Brache werden lässt oder ob sich hier nachhaltige Lösungen durchsetzen können, die, jenseits nostalgischer Verklärungen der Ursprünglichkeit, Landschaft als kulturellen Wert interpretieren können. Dazu liefern die hier dargestellten Projekte Denkanstösse, gerade dank ihrer architektonischen Sensibilität. Auch wenn sie nicht in grossen «formalen» Gesten davon sprechen, sondern Beziehungen zur Topographie, zum gewachsenen Ort und zur Nutzung thematisieren. Ihnen geht das laute Getöse eines EbiSquares ab, welches eine künstliche Freizeitwelt mittels der Architektur nötig zu haben scheint. Im EbiSquare implodiert die Freizeit - in einer Ansammlung künstlicher Welten fehlt die Interaktion mit der «Realität». Architektur und insbesondere Architektur der Freizeit steht gegebenerweise in wechselseitiger Beziehung mit ihrer Umgebung, mit der Landschaft, mit dem historischen Kontext. Die Zentralschweiz ist eine Landschaft der Freizeit, es ist eine inszenierte Landschaft, seit sich der Tourismus ihrer bemächtigt hat. Diese Ausgangslage ist einzigartig und verlangt nach zeitgemässen, nicht-virtuellen Antworten. «Freizeit, der (im Einzelnen unterschiedlich definierte) Teil der menschlichen Lebenszeit, der nicht durch die Erfüllung beruflicher oder berufsähnlicher Verpflichtungen und physiologischer Grundbedürfnisse (Ernährung, Schlaf, Körperpflege) gebunden ist und dem Menschen zur freien Verfügung offen steht.»