KARTON
Architektur im Alltag der Zentralschweiz
Nummer 2 * Januar 05

«ERSATZBAUTEN»

KARTON 02 | 2005

INHALT

Aus den Bergen in die Stadt

von Gerold Kunz
Mehrfamilienhaus in Stansstad von Scheitlin Syfrig + Partner

Alt und Neu nebeneinander

von Dieter Geissbühler
Zentrumsbereich in Kerns von Monika und Eugen Imhof-Dorn

Stadt und SBB in der Verantwortung

von Cla Büchi
Langensandbrücke in Luzern, Wettbewerbsprojekte 1.-3. Rang

Verwoben und gestrickt

von Sepp Rothenfluh
Einfamilienhaus in Bürglen von Margrit Baumann und Loeliger Strub

Harte Schale, weicher Kern

von Gerti Kaspar
Strafanstalt in Zug von Silvia Ruoss und Alex Maciéczyk

Passform zwischen Strasse und Rotsee

von Sepp Rothenfluh
Wohn- und Gewerbegebäude in Luzern von Schärli Architekten


EDITORIAL

Ersatzbauten

von Ursula Mehr
Zu allererst ein herzliches Dankeschön für all die lobenden, kritischen, konstruktiven und allgemeinen Rückmeldungen zu Karton 1. Ein Beweis, dass das Bestreben wahrgenommen wird, eine breite Diskussion über Architektur in der Region zu führen. Anders sehen dies die Bildungsdirektoren der Zentralschweiz. Das Projekt Auszeichnung guter Bauten Zentralschweiz haben sie gestoppt, weil ihrer Ansicht nach die Förderung von guter Architektur «...nicht zu den zentralen staatlichen Aufgaben gehört.» Bauen heisst immer öfter Ersetzen. Sei es das Ersetzen eines Gebäudes, eines Eisenbahntrassees oder Dorfkerns. Entweder entspricht das Bestehende nicht mehr den heutigen Anforderungen an Raum und Komfort, oder der ursprüngliche Nutzungszweck existiert nicht mehr. In diesen Situationen ist das zu bebauende Grundstück bereits besetzt und muss zuerst geräumt werden. Es liegt an der Architektin, dem Architekten, in Absprache mit der Bauherrschaft zu beurteilen, wie weit dieses Erbe im Neubau berücksichtigt werden soll, sofern dies nicht in den Aufgabenbereich der Denkmalpflege fällt. Beim Haus zur Stiege in Bürglen zum Beispiel entschieden sich. die Beteiligten, den Neubau auf den alten Grundmauern zu errichten. In einigen Fällen, denen dieses Heft gewidmet ist, handelt es sich um Neubauten am bestehenden Ort und um Bauten mit gleicher Nutzung. Weshalb also wird ein Bauwerk ersetzt und nicht saniert?

1. Die Situation, die Umgebung hat sich verändert. Der Vorgängerbau für das Haus Flüeler in Stansstad wurde in den fünfziger Jahren auf der grünen Wiese errichtet und liegt heute an einer stark befahrenen Strasse inmitten einer Siedlung.

2. Die Bedürfnisse verändern sich, wie das Beispiel der Langensandbrücke in Luzern zeigt. Die Brücke wird an die Zunahme des Verkehrs angepasst. Diejenige aus dem Jahre 1941 entspricht nicht mehr den heutigen Erfordernissen an Auto-, Velo- und Busspuren.

3. Das Gebäude ist veraltet. Das Gefängnis in Zug entsprach nicht mehr den Anforderungen an einen modernen Strafvollzug und wies erhebliche Sicherheitsmängel auf. Bei allen diesen Beispielen fielen so grosse Veränderungen an, dass Kostenanalysen nur Neubauten als wirtschaftlich auswiesen. Der wohl meist beachtete Ersatzbau der letzten Jahre ist das Kultur- und Kongresszentrum (KKL) in Luzern. Es ersetzte nicht nur das alte Kunst- und Kongresszentrum, sondern es schuf eine neue Identität und eine neue Wahrnehmung der Region. Exemplarisch steht es für die Veränderungen, die Ersatzbauten bewirken können.